1720 schrieb Telemann sechs Kantaten für den Grafen Friedrich Carl von Erbach (1680-1731) auf dessen eigene Dichtungen.

Am 18. Oktober 1720 stand die Aufführung der Kantate "Ertöne muntrer Musen-Chor" (TVWV 20:2, verschollen) durch das Collegium musicum zur Verabschiedung eines „liebens-würdigen“ Engländers statt.

Zur Ostermesse 1720 entstand die Kantate "Das Wasser im Frühling" (TVWV 20:1, verschollen) mit einem Text von Barthold Heinrich Brockes (aus "Irdisches Vergnügen"). Die Aufführung erfolgte durch das Collegium musicum.

Telemann hatte ein besonderes Talent für die tonmalerische Umsetzung außermusikalischer Themen. In seiner Orchestersuite "La Bourse" (TWV 55:B11) nimmt Telemann zum Beispiel einen realen Börsenskandal im Jahre 1720 satirisch aufs Korn. Die Overtürensuite in B-Dur für 2 Oboen, Fagott, Streicher, Basso Continuo gliedert sich in folgende Sätze:

Ouverture (Ouvertüre)
 - Le Repos interrompu (Die unterbrochene Ruhe)
 - La Guerre en la Paix (Krieg im Frieden)
 - Les Vainqueurs vaincus (Die besiegten Sieger)
 - La Solitude associèe (Die gemeinsame Einsamkeit)
 - L´Espérance de Mississippi (Die Mississippi-Hoffnung).

Der Schlusssatz spielt mit seinem Auf und Ab auf den Krach an der Pariser Börse an. Mit der "Missisippi-Hoffnung" war für viele eine internationale Börsenspekulation geplatzt, denn in Frankreich hatte man auf Gold gesetzt, was es aber am Missisippi noch nicht gab. Die Wertscheine waren plötzlich nur noch Papier und die Spekulanten am Boden zerstört. Eine ausführliche Beschreibung des Börsenkrachs in Frankreich finden Sie hier.

Telemanns Originalhandschrift der Suite wird heute in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden aufbewahrt.

Georg Philipp Telemann datiert die Partitur seiner Kantate "In Christo Jesu gilt weder Beschneidung" (TVWV 1:929) eigenhändig auf "Stuttgardt d. 19. Aug. 1720". Die Kantate ist für den 13. Sonntag nach Trinitatis bestimmt und wurde am 25. August 1720 in Frankfurt am Main aufgeführt. Der Text stammt von Erdmann Neumeister (1671-1756). Die autographe Partitur wird heute in der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg unter der Signatur Ms.Ff.Mus. 1208 aufbewahrt.